Die Angst und das ICH

Jeder von uns kennt sie, die Angst.

In ihren vielfältigen Facetten und Erscheinungen lässt sie uns erstarren und erzittern, nimmt uns die Luft zum Atmen, macht uns eng und unbewegt.


Als Kind hatten wir vielleicht Angst allein zu sein, Angst vor der Dunkelheit, vor dem schwarzen Mann im Schrank oder dem Tod.


Als Jugendliche(r) zeigte sie sich möglicherweise vor oder in Prüfungen, in der Angst, den Ansprüchen der Eltern nicht gerecht werden zu können oder ihnen hilflos ausgeliefert zu sein; Angst nicht genug zu haben oder etwas im Leben zu verpassen.


Im Erwachsenenalter formt sich die Angst gern in der Erwartung an das Leben, die es zu meistern gilt und wir es möglicherweise nicht schaffen. Wir haben Angst nicht gut genug zu sein und arbeiten bzw. machen immer mehr. Wir haben Angst vor Entscheidungen und treffen deshalb besser keine. Wir haben Angst neue Wege zu beschreiten und belieben lieber stehen. Wir haben Angst uns von Altem zu befreien, weil wir nicht wissen, ob das Neue besser ist. Wir sammeln, halten fest an Gewohnheiten, Einstellungen und Gedankenmustern und ersticken fast in unserer Unbeweglichkeit. Die vielleicht größte Angst jedoch, ist die, die eigene Größe und Schönheit zu erkennen und zu sich zu stehen.


Was aber ist die Angst genau und warum hat sie so viel Macht über uns? Warum fühlen wir uns oft so hilflos ausgeliefert?


Identifizierung! In dem Moment, in dem wir uns mit dem Gefühl der Angst identifizieren, es als unser eigenes ansehen, in diesem Moment erhält die Angst Kraft, fühlt sich wohl, kann sich ausbreiten, wird stärker und hemmt uns immer mehr.
Angst ist nichts anderes als Energie genau wie Freude, Trauer, Scham oder Wut. Dort, wo unsere Aufmerksamkeit hingeht, dort verstärkt sich die Energie.


In der Meditation versuchen wir einen Raum zwischen den auftauchenden Gedanken und Empfindungen und unserem Selbst zu schaffen. Wir nehmen den Gedanken war, spüren die Emotion in unserem Körper und wissen, dass wir all das nicht sind. Wie können wir der Beobachter unserer Angst und gleichzeitig die Angst sein? Und wenn die Angst vorüber ist, wer sind wir dann, wenn wir vorher doch noch die Angst waren? In dem Moment beginnt ein Verstehen, dass wir etwas viel Größeres sind, als das was wir zu sein glauben und vor allem mit dem wir uns unser bisheriges Leben identifiziert haben.


Wir kehren zurück zum Atem und können die eigentliche Quelle unseres Seins wahrnehmen. Es gibt nichts wovor wir Angst zu haben brauchen. Wir sind in jedem Moment gehalten und getragen. Alles, was passiert, passiert, damit wir unseren Weg nach Hause zurück finden, dort wo die Angst der Liebe weicht. (18.04.2017)